Flächenbezogener Verzicht auf Steuerfreiheit

von Dipl.-Finanzwirt Marcus Wilp am 17. September 2014, keine Kommentare

Einzelne Räume mit UmsatzsteuerDie Vermietung von Büros ist grundsätzlich umsatzsteuerbefreit. Mit dieser Steuerbefreiung geht der Nachteil einher, dass dem Vermieter für diese steuerfrei vermieteten Flächen kein Vorsteuerabzug zusteht. Sofern er sich diesen Vorsteuerabzug erhalten möchte, kann er unter bestimmten Voraussetzungen zur Umsatzsteuerpflicht optieren. Damit werden die an sich umsatzsteuerfreien Mieten umsatzsteuerpflichtig (19 %).
Voraussetzung für diese sogenannte Option nach § 9 Umsatzsteuergesetz ist, dass der Mieter ein Unternehmer ist, die Flächen für sein Unternehmen nutzt und sie nahezu ausschließlich für umsatzsteuerpflichtige Umsätze verwendet, die den Vorsteuerabzug für ihn nicht ausschließen.
Der Bundesfinanzhof hat mit Urteil vom 24.04.2014 entschieden, dass sich diese Option nicht zwingend auf die gesamte Fläche beziehen muss, sondern sich auch auf einzelne Räume beziehen kann. Diese Frage war bis dato höchstrichterlich noch nicht geklärt.

Um die Bedeutung dieser großzügigen Gesetzesauslegung des BFH zu verdeutlichen, hier ein kurzes Beispiel: Die Vermietung einer Praxis an einen konservativ tätigen Augenarzt ist grundsätzlich nur steuerfrei möglich. Begründung: der Augenarzt erbringt nahezu ausschließlich umsatzsteuerfreie Umsätze, die seinen Vorsteuerabzug ausschließen. Sofern dieser Arzt in einem dieser gemieteten Räume Kontaktlinsen veräußert, sind diese Umsätze umsatzsteuerpflichtig. Dieser einzelne Raum könnte nach der neuen Rechtsprechung umsatzsteuerpflichtig vermietet werden, die übrigen blieben umsatzsteuerfrei. Insoweit bliebe für den Vermieter der Vorsteuerabzug, zum Beispiel aus der Herstellung oder Renovierung dieses Kontaktlinsenraumes erhalten.

BFH-Urteil vom 24.04.2014, Aktenzeichen V R 27/13

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